Vier zwingende Gründe für den Vorkauf der Reichenberger Str. 108


  1. Internationalität.
    In den 20 Wohnungen leben Menschen mit Herkunft aus über 14 verschiedenen Ländern - aus Deutschland, England, Griechenland, Irland, dem Libanon, Marokko, Neuseeland, Nord-Mazedonien, Polen, Singapur, Spanien, Syrien, der Türkei, sowie Palästinenser. Auch einige internationale Künstler*innen und Kulturschaffende sind auf den bezahlbaren Wohnraum in der Reichenberger Str. 108 angewiesen.

    => Berlin ist es seinem attraktiven Image als tolerante, internationale und integrierende Stadt schuldig, diese Werte auch in politischen Entscheidungen wie der über Vorkauf umzusetzen.


  2. Zugehörigkeit und sozialer Zusammenhalt.
    Der 6-stöckige Nachkriegsbau ist keine "schicke" Adresse. Aber gerade deshalb haben sich dort über die Jahrzehnte Mieter*innen eingefunden, die nicht vor ihren Nachbarn glänzen wollen, sondern mit ihnen solidarisch sind, Personen, die nicht schnell über andere urteilen, sondern die verstehen, was es heißt, mit Schwierigkeiten zu ringen. So sind sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft zu einer toleranten und harmonischen Hausgemeinschaft zusammengewachsen, die einander beisteht und hilft.

    => Im aktuellen Berliner Regierungsprogramm* wird die Stärkung des sozialen Zusammenhalts als ein Ziel des Senats genannt. Die Umsetzung in der Reichenberger Str. 108 muss in der Wahrnehmung des Vorkaufsrechts bestehen, zum Erhalt der dort bereits gelebten sozialen Integration über die Herkunftsländer hinweg.


  3. Einkommensverhältnisse.
    Eine deutliche Mehrheit der Bewohner*innen lebt in sehr einfachen finanziellen Verhältnissen. Der Hamburger Investor hat sich geweigert, eine Abwendungsvereinbarung zu unterzeichnen, die den Bestandsmieter*innen einen 20Jährigen Schutz vor Umwandlung in Eigentumswohnungen und bestimmten mietensteigernden Renovierungen gewähren würde.

    => Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, dass dem Gewinnstreben von Investoren dort ein Riegel vorgeschoben wird, wo dieses auf Kosten derer geht, die mit sehr wenig auskommen müssen (soweit dazu die Möglichkeit besteht, wie im vorliegenden Fall). Aus dem aktuellen Berliner Regierungsprogramm: "Der Senat sieht in der sozialen Wohnraumversorgung, in der Bekämpfung von Wohnungslosigkeit und sozialer Ausgrenzung eine Schlüsselaufgabe."


  4. Familien- und Kinderarmmut.
    Neben 23 Erwachsenen wohnen auch 20 Kinder und Jugendliche bei ihren Eltern im Haus (davon 15 noch nicht volljährig), ausnahmslos in Familien mit sehr geringem Einkommen.

    => Im Falle der erwarteten Mieterhöhungen und Verdrängung sehen wir ein nicht zu vernachlässigendes Risiko der Verarmung einzelner Familien. Dazu aus dem aktuellen Berliner Regierungsprogramm: "Der Senat wird (...) sich verstärkt gegen Familien- und Kinderarmut einsetzen."



* Mit dem Begriff aktuelles Berliner Regierungsprogramm beziehen wir uns auf die "Richtlinien der Regierungspolitik 2016 – 2021" der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters.


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